
- Eine private Bank darf ein Girokonto ohne Begründung ordentlich kündigen, muss aber bei einem Zahlungskontenvertrag mit Verbrauchern mindestens zwei Monate Frist einhalten (§ 675h Abs. 2 BGB) und das Guthaben herausgeben.
- Eine angehaltene Überweisung ist noch keine Kündigung: Meist will die Bank nach dem Geldwäschegesetz die Mittelherkunft verstehen. Eine schnelle, vollständige Antwort löst viele Fälle.
- Kann die Bank ihre Sorgfaltspflichten nicht erfüllen, muss sie die Geschäftsbeziehung beenden (§ 10 Abs. 9 GwG). Hat sie eine Verdachtsmeldung an die FIU erstattet, darf sie Ihnen das nicht mitteilen (§ 47 GwG).
- Als Verbraucher haben Sie Anspruch auf ein Basiskonto (§ 31 ZKG); lehnt die Bank ab, prüft die BaFin in einem kostenfreien Verwaltungsverfahren. Für Gewerbe und GmbH gibt es diesen Anspruch nicht.
- Der wirksamste Schutz liegt vorher: angemeldete Tätigkeit, getrenntes Konto, vorbereitete Unterlagen und ein zweites Konto bei einem anderen Institut.
Rechtslage und Zahlen geprüft am 7. September 2026. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Wenn die Bank ein Konto wegen OnlyFans kündigt, ist das in Deutschland in der Regel rechtlich zulässig: Private Banken dürfen ohne Begründung kündigen, müssen Verbrauchern aber mindestens zwei Monate Frist geben und das Guthaben herausgeben. Diese zwei Monate sind Ihr Spielraum, um ein neues Konto zu eröffnen und die Auszahlungen umzuleiten. Hier lesen Sie, warum Banken so handeln, was Sie in den ersten 48 Stunden tun sollten, welche Rechte Sie haben und wie Unterlagen aussehen, mit denen das nächste Konto bestehen bleibt.
Warum kündigen Banken Konten mit OnlyFans-Einnahmen?
Einnahmen von OnlyFans, MYM oder Fansly sind nicht verboten. Die Bank stört sich an dem, was sie nicht erklären kann. Drei Mechanismen wirken zusammen.
Das Geldwäschegesetz. Banken sind Verpflichtete nach dem Geldwäschegesetz (GwG). Sie müssen ihre Kunden identifizieren, den Zweck der Geschäftsbeziehung klären und die Geschäftsbeziehung kontinuierlich überwachen, damit die Transaktionen zu dem passen, was sie über den Kunden wissen, und soweit erforderlich zur Herkunft der Vermögenswerte (§ 10 Abs. 1 GwG). Regelmäßige Dollar-Zahlungen einer britischen Gesellschaft auf ein privates Girokonto, ohne angemeldete Tätigkeit: Das Monitoring schlägt an, ein Analyst stellt Fragen.
Die interne Risikoklassifizierung. Jedes Institut muss seine Geldwäscherisiken ermitteln und bewerten (§ 5 GwG). Inhalte für Erwachsene landen dabei häufig in der Kategorie „erhöhtes Risiko“, neben Glücksspiel und Kryptowerten. Manche Institute lehnen die Branche grundsätzlich ab, andere akzeptieren sie mit sauberen Unterlagen.
Das Privatkonto als Geschäftskonto. Mehrere tausend Euro im Monat aus einer selbständigen Tätigkeit auf einem privaten Girokonto fallen früher oder später auf. Viele Banken schließen die geschäftliche Nutzung von Privatkonten in ihren Bedingungen ausdrücklich aus. Und wenn eine Agentur die Einnahmen ihrer Creator über das Firmenkonto laufen lässt und dann weiterleitet, vervielfacht sie die Zahlungsströme, die niemand erklären kann.
Rückfrage, Sperre, Kündigung: Wo liegt der Unterschied?
Eine Rückfrage zur Mittelherkunft ist noch keine Kündigung. Die Bank will verstehen. Antworten Sie innerhalb der gesetzten Frist sachlich und vollständig: was Sie tun, seit wann, in welcher Rechtsform, woher die Zahlungen stammen (Abrechnungen der Plattform) und gegebenenfalls der Agenturvertrag. Beschönigungen wie „digitales Marketing“ wirken bei der ersten Prüfung der Überweisungen wie Verschleierung. Wie diese Unterlagen aussehen, beschreiben wir im Ratgeber KYC und Mittelherkunft.
Eine angehaltene Transaktion ist ernster. Hat die Bank eine Verdachtsmeldung an die Financial Intelligence Unit (FIU) erstattet (§ 43 GwG), darf sie die Transaktion grundsätzlich erst ausführen, wenn die FIU oder die Staatsanwaltschaft zustimmt oder der dritte Werktag nach Abgang der Meldung ohne Untersagung verstrichen ist (§ 46 GwG). Die FIU kann Transaktionen und Kontoverfügungen für bis zu einen Monat untersagen (§ 40 GwG). Über all das darf die Bank Sie nicht informieren (§ 47 GwG). Zur Einordnung: Die FIU erhielt 2024 insgesamt 265.708 Verdachtsmeldungen, davon 253.847 aus dem Finanzsektor. Das ist der Moment für einen Rechtsanwalt, nicht für einen Streit mit der Hotline.
Eine Kündigung beendet den Vertrag. Bei einem Zahlungskontenvertrag mit einem Verbraucher darf die Bank nur mit einer Frist von mindestens zwei Monaten ordentlich kündigen (§ 675h Abs. 2 BGB); die AGB der privaten Banken sehen dasselbe vor (Nr. 19 Abs. 1 AGB-Banken). Eine fristlose Kündigung ist nur aus wichtigem Grund zulässig. Und wenn die Bank ihre Sorgfaltspflichten nach dem GwG nicht erfüllen kann, etwa weil Sie Fragen unbeantwortet lassen, muss sie die Geschäftsbeziehung „ungeachtet anderer gesetzlicher oder vertraglicher Bestimmungen“ beenden (§ 10 Abs. 9 GwG).
Was tun in den ersten 48 Stunden nach der Kündigung?
- Sichern Sie das Kündigungsschreiben, Kontoauszüge, Transaktionshistorie und alle Nachrichten der Bank.
- Räumen Sie das Konto nicht in einem Zug leer und überweisen Sie nichts über Konten von Freunden oder Familie. Genau solche Bewegungen fürchtet die Bank, und sie können aus einer Rückfrage eine Meldung machen.
- Leiten Sie die Auszahlungen um, sobald ein Ersatzkonto besteht, und warten Sie nicht bis zum letzten Tag der Frist.
- Stellen Sie die Unterlagen zusammen: Gewerbeanmeldung oder Handelsregisterauszug, Plattformabrechnungen, Verträge, eine Übersicht der Zahlungsströme.
- Eröffnen Sie das neue Konto mit vorbereiteten Unterlagen, nicht in Panik. Sonst wiederholt sich dieselbe Szene drei Monate später.
Für Agenturen gilt zusätzlich: Creator und Chatter warten auf ihr Geld. Klären Sie sofort, welche Zahlungen über welches Konto laufen, und informieren Sie die Betroffenen sachlich über die Umstellung.
Welche Rechte haben Sie gegenüber der Bank?
Die Kündigungsfrist. Bei Verbrauchern darf sie zwei Monate nicht unterschreiten. Bei Geschäftskunden kann § 675h BGB vertraglich abbedungen werden (§ 675e Abs. 4 BGB); die AGB-Banken sehen dennoch auch dort für laufende Konten mindestens zwei Monate vor. Prüfen Sie Ihre Vertragsbedingungen und verlangen Sie schriftlich das Datum der Beendigung und die Auszahlung des Guthabens.
Sparkassen sind anders. Als öffentlich-rechtliche Anstalten sind Sparkassen an das Willkürverbot gebunden: Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs brauchen sie für eine ordentliche Kündigung einen sachgerechten Grund. Das schützt nicht vor jeder Kündigung: Ein erhöhtes Geldwäscherisiko oder unbeantwortete Rückfragen können ein solcher Grund sein. Private Banken und Genossenschaftsbanken sind an dieses Erfordernis grundsätzlich nicht gebunden.
Das Basiskonto. Jeder Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU hat Anspruch auf ein Basiskonto (§ 31 ZKG); die Bank muss den Vertrag innerhalb von zehn Geschäftstagen anbieten. Lehnt sie ab oder entscheidet nicht rechtzeitig, können Sie bei der BaFin ein kostenfreies Verwaltungsverfahren beantragen (§ 48 ZKG). Zwei Grenzen: Der Anspruch besteht nur für Verbraucher, nicht für eine GmbH und nicht für gewerbliche Zwecke. Und die Bank darf ablehnen, wenn sie ihre Sorgfaltspflichten nach dem GwG nicht erfüllen kann (§ 36 ZKG). Das Basiskonto sichert Ihren privaten Zahlungsverkehr, ersetzt aber kein Geschäftskonto.
Beschwerde und Schlichtung. Bei zurückgehaltenem Guthaben oder nicht eingehaltener Frist lohnt eine schriftliche Beschwerde. Verbraucher können danach die Schlichtungsstelle des jeweiligen Bankenverbands anrufen, bei privaten Banken den Ombudsmann; dessen Spruch bindet die Bank bis 10.000 €. Die Kündigung selbst rückgängig zu machen, gelingt auf diesem Weg selten.
Wie verhindern Sie, dass es wieder passiert?
Vier Gewohnheiten verhindern die meisten Kündigungen.
- Anmelden, bevor das erste Geld kommt. Gewerbeanmeldung oder Gesellschaft, mit einer ehrlichen Beschreibung der Tätigkeit. Eine Bank akzeptiert nichts, was es offiziell nicht gibt. Die steuerliche Seite erklärt unser Ratgeber OnlyFans-Einnahmen versteuern.
- Trennen. Ein eigenes Konto für die Tätigkeit ab der ersten Auszahlung, getrennt von Miete und Einkäufen. Für Einzelunternehmer schreibt das Gesetz das nicht vor, die meisten Banken erwarten es aber.
- Dokumentieren. Plattformabrechnungen monatlich exportieren, Verträge und Rechnungen in einem Ordner, der jederzeit verschickt werden kann.
- Ein zweites Konto bei einem anderen Institut, eröffnet, solange das erste noch funktioniert.
Für Agenturen kommt eine Regel hinzu: Die Plattform zahlt direkt an die Creatorin, die Agentur stellt ihre Provision in Rechnung. Jede Zwischenschaltung der Agentur schafft einen Zahlungsstrom, der erklärt werden muss, ein steuerliches Risiko und ein Argument für jeden, der von Abhängigkeit sprechen will. Warum das auch strafrechtlich zählt, lesen Sie in Ist eine OFM-Agentur legal?.
Und wenn ich mir einfach in Krypto auszahlen lasse?
Eine Zahlung in USDT oder USDC ist möglich und kann praktisch sein, etwa um Chatter im Ausland zu bezahlen. Sie umgeht aber weder das Finanzamt noch die Bank: Irgendwann müssen Sie in Euro tauschen, auf ein Konto, das diesen Zahlungsstrom akzeptiert, und ein schlecht vorbereiteter Umtausch ist der schnellste Weg, auch das nächste Konto zu verlieren. Die Einzelheiten stehen in unserem Ratgeber Auszahlung in USDT und USDC.
Was wir in der Praxis sehen
Die meisten Kündigungen, die bei uns ankommen, haben dieselbe Vorgeschichte: ein privates Konto, keine Anmeldung, eine unbeantwortete Rückfrage. Selten ist die Branche an sich das Problem. OFM Legal ist keine Rechtsanwaltskanzlei; wir beraten zu Struktur, Compliance und Risiken, bereiten die Unterlagen mit Ihnen vor und wissen, welche Art von Institut zu welchem Profil passt. Wo eine Vertretung gegenüber der Bank oder den Behörden nötig ist, übernehmen das unsere Partneranwälte. Welche Institute grundsätzlich in Frage kommen, erklärt der Ratgeber Welche Bank akzeptiert OnlyFans?.
Häufige Fragen
Darf die Bank mein Konto wegen OnlyFans kündigen?
Warum hält die Bank meine OnlyFans-Auszahlung an?
Muss die Bank mir sagen, warum sie gekündigt hat?
Bekomme ich ein Basiskonto, wenn alle Banken ablehnen?
Kann ich mich gegen die Kündigung wehren?
Quellen und Rechtsgrundlagen
- § 675h BGB (Ordentliche Kündigung eines Zahlungsdiensterahmenvertrags, Frist von mindestens zwei Monaten) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Geldwäschegesetz (GwG): § 10 Allgemeine Sorgfaltspflichten, § 43 Meldepflicht, § 46 Durchführung von Transaktionen, § 47 Verbot der Informationsweitergabe Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- § 31 ZKG (Anspruch auf Abschluss eines Basiskontovertrags) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Basiskonto: Anspruch, Ablehnungsgründe, Kündigung, Verwaltungsverfahren Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
- Ablauf des Schlichtungsverfahrens (Ombudsmann der privaten Banken) Bundesverband deutscher Banken
- Financial Intelligence Unit, Jahresbericht 2024 (265.708 Verdachtsmeldungen, davon 253.847 aus dem Finanzsektor) Generalzolldirektion, Financial Intelligence Unit, 2025
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung zu Ihrer konkreten Situation. OFM Legal ist keine Rechtsanwaltskanzlei: Rechtsdienstleistungen und Vertretung vor Gericht übernehmen unsere Partneranwälte.








