Bank & Auszahlungen

KYC und Mittelherkunft: Bankunterlagen vorbereiten, die beim ersten Mal durchgehen.

KYC und Mittelherkunft bei OnlyFans-Einnahmen: was das Geldwäschegesetz verlangt, welche Unterlagen Creator und Agenturen brauchen, was abgelehnt wird.

Von Olivier MaciejewskiAktualisiert am 8. September 20268 Min. Lesezeit
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Das Wichtigste
  • KYC (Know Your Customer) und KYB (Know Your Business) sind die Prüfungen, die das Geldwäschegesetz jeder Bank und jedem Zahlungsinstitut vorschreibt, vor der Kontoeröffnung und während der gesamten Geschäftsbeziehung (§ 10 GwG).
  • Die Bank muss Sie identifizieren, bei Gesellschaften den wirtschaftlich Berechtigten ermitteln (mehr als 25 % der Anteile oder Stimmrechte, § 3 GwG), den Zweck der Geschäftsbeziehung klären und die Transaktionen laufend überwachen.
  • Kann sie das nicht, darf sie das Konto nicht eröffnen oder muss es beenden (§ 10 Abs. 9 GwG). Ihre Fragen sind keine Schikane, sondern Pflicht.
  • Für Creator reichen wenige Unterlagen: Ausweis, Gewerbeanmeldung, Plattformabrechnungen, ehrliche Schätzung der Zahlungen. Agenturen ergänzen Handelsregister, Transparenzregister, Managementverträge und eine Übersicht der Zahlungsströme.
  • Abgelehnt wird selten wegen der Branche, sondern wegen Widersprüchen zwischen angegebener Tätigkeit, Unterlagen und tatsächlichen Zahlungen.

Rechtslage und Zahlen geprüft am 8. September 2026. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.

Wenn die Bank nach der Mittelherkunft fragt, will sie keine Erklärung, sondern Belege: eine lückenlose Kette von der Plattform bis zu Ihrem Konto, passend zu der Tätigkeit, die Sie angegeben haben. Dazu verpflichtet sie das Geldwäschegesetz, vor der Kontoeröffnung und während der gesamten Geschäftsbeziehung. Dieser Ratgeber erklärt, was hinter KYC und KYB steckt, was die Bank von einer Creatorin und von einer OFM-Agentur rechtmäßig verlangen darf und welche Widersprüche zur Ablehnung führen.

Was bedeuten KYC und KYB?

KYC steht für Know Your Customer: die Prüfungen, die ein Finanzinstitut bei einer natürlichen Person vornimmt. Wer ist sie, was macht sie, woher kommt ihr Geld, wofür wird das Konto genutzt? KYB, Know Your Business, ist dasselbe für eine Gesellschaft: Wer führt sie, wem gehört sie letztlich, was tut sie wirklich, wie fließt ihr Geld?

Das deutsche Gesetz verwendet diese Begriffe nicht, es spricht von „Sorgfaltspflichten“. Dahinter steht eine konkrete Wirklichkeit: eine Compliance-Abteilung, Analysten, eine Monitoring-Software und eine Risikomatrix, in der Inhalte für Erwachsene häufig als erhöhtes Risiko eingestuft sind. Die Plattformen prüfen Sie bei der Registrierung; die Bank prüft zusätzlich und laufend, weil sie selbst gegen das Geldwäschegesetz verstößt, wenn sie ihre Pflichten vernachlässigt.

Was verlangt das Geldwäschegesetz von der Bank?

Die allgemeinen Sorgfaltspflichten stehen in § 10 Abs. 1 GwG. Wer sie kennt, versteht, dass ein Analyst mit Rückfragen nur seine Arbeit macht.

  • Identifizierung des Vertragspartners anhand eines gültigen Ausweisdokuments.
  • Abklärung des wirtschaftlich Berechtigten: Bei einer Gesellschaft ist das jede natürliche Person, die unmittelbar oder mittelbar mehr als 25 % der Kapitalanteile hält, mehr als 25 % der Stimmrechte kontrolliert oder auf vergleichbare Weise Kontrolle ausübt (§ 3 GwG). Bei Gesellschaften muss die Bank auch die Eigentums- und Kontrollstruktur verstehen.
  • Zweck und angestrebte Art der Geschäftsbeziehung: also Ihre Tätigkeit, die geplante Nutzung des Kontos und die erwarteten Zahlungen.
  • Kontinuierliche Überwachung: Die Transaktionen müssen zu den Informationen über Ihre Geschäftstätigkeit und Ihr Kundenprofil passen und, soweit erforderlich, zu den Informationen über die Herkunft der Vermögenswerte.

Bei erhöhtem Risiko gelten verstärkte Sorgfaltspflichten (§ 15 GwG): etwa zusätzliche Unterlagen, eine engere Überwachung und in bestimmten Fällen die Zustimmung eines Mitglieds der Führungsebene. Und wenn die Bank die Pflichten nicht erfüllen kann, ist § 10 Abs. 9 GwG eindeutig: Die Geschäftsbeziehung darf nicht begründet oder fortgesetzt werden, eine bestehende muss beendet werden. Eine Ablehnung nach unbeantworteten Rückfragen ist also keine Willkür, sondern Gesetzesvollzug.

Hat die Bank Tatsachen, die auf Geldwäsche hindeuten, muss sie eine Verdachtsmeldung an die Financial Intelligence Unit (FIU) erstatten (§ 43 GwG) und darf Sie darüber nicht informieren (§ 47 GwG). Die FIU erhielt 2024 insgesamt 265.708 Verdachtsmeldungen, davon 253.847 aus dem Finanzsektor. Für eine OFM-Tätigkeit zählt ein Wort: Stimmigkeit. Die Bank bewertet nicht die Moral der Inhalte. Sie prüft, ob Ihre Angaben, Ihre Unterlagen und die Zahlungen auf dem Konto dieselbe Geschichte erzählen.

Welche Unterlagen braucht eine Creatorin?

Für eine Creatorin auf OnlyFans, MYM oder Fansly, die ein Konto für ihre Tätigkeit eröffnet, ist die Liste kurz:

  • Ausweis und Meldeadresse;
  • Nachweis der angemeldeten Tätigkeit: Gewerbeanmeldung oder Handelsregisterauszug, mit einer ehrlichen Tätigkeitsbeschreibung;
  • Beschreibung der Tätigkeit und Schätzung der Zahlungen: wie viel im Monat, in welcher Währung, von welchen Plattformen;
  • Abrechnungen der Plattform (Export aus dem Creator-Konto), die Absender und Beträge der Auszahlungen zeigen;
  • bei Zusammenarbeit mit einer Agentur: Managementvertrag und Provisionsrechnungen;
  • bei einer größeren Ersteinzahlung: Beleg der Herkunft dieses Betrags.

Am häufigsten unterschätzt wird der dritte Punkt. Eine ehrliche Schätzung ist keine Verpflichtung, aber der Maßstab, an dem der Analyst die Zahlungen misst. Wer 2.000 € im Monat angibt und 15.000 € erhält, löst eine vertiefte Prüfung aus. Wer 15.000 € angibt und die Abrechnungen dazu vorlegt, löst nichts aus. Wie die Einnahmen steuerlich zu behandeln sind, erklärt unser Ratgeber OnlyFans-Einnahmen versteuern.

Welche Unterlagen braucht eine OFM-Agentur?

Eine Agentur legt alles vor, was ein KYB verlangt, und ergänzt, was ihre tatsächliche Tätigkeit beschreibt:

  • Handelsregisterauszug, Gesellschaftsvertrag, Angaben zur Geschäftsführung;
  • wirtschaftlich Berechtigte mit Ausweisdokumenten, übereinstimmend mit dem Eintrag im Transparenzregister. Eine zwischengeschaltete ausländische Holding hilft nicht: Die Bank verfolgt die Struktur bis zur natürlichen Person und lehnt in der Regel ab, wenn sie dort nicht ankommt;
  • unterschriebene Managementverträge mit den Creatorinnen, die belegen, wofür die Provision gezahlt wird;
  • Rechnungen an die Creatorinnen, passend zu den Verträgen;
  • eine Übersicht der Zahlungsströme auf einer Seite: Plattform zahlt an Creatorin, Creatorin zahlt Provision an Agentur, Agentur zahlt Chatter, Tools und Steuern;
  • Verträge und Rechnungen der Chatter und Dienstleister, besonders aus dem Ausland, einschließlich der Zahlungsart;
  • eine Planrechnung für Umsatz und Kosten, passend zur Zahl der betreuten Creatorinnen.

Die Übersicht der Zahlungsströme entscheidet. Eine Agentur, deren Creatorinnen direkt von der Plattform bezahlt werden und die ihre Provision in Rechnung stellt, hat einen einfachen Fluss. Eine Agentur, die die Auszahlungen der Creatorinnen einnimmt und weiterleitet, hat einen Fluss, den der Analyst rekonstruieren muss, der ihren Umsatz aufbläht und der das Argument der wirtschaftlichen Abhängigkeit stützt, das wir in Ist eine OFM-Agentur legal? behandeln. Wie die Chatter vertraglich sauber aufgestellt werden, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Scheinselbständigkeit von Chattern.

Wie beschreibt man die Tätigkeit, ohne zu beschönigen?

Die Versuchung ist groß, das Wort zu umgehen: „digitales Marketing“, „Imageberatung“ oder „Content Creation“ ohne Angabe, welcher Content. Diese Strategie scheitert am zuverlässigsten, denn die Bank sieht früher oder später den Absender der Gutschriften. Taucht „Fenix International“ auf dem Konto eines Kunden auf, der Beratung angegeben hat, sieht der Analyst keine Erwachsenenbranche. Er sieht einen Kunden, der bei der Eröffnung falsche Angaben gemacht hat, und die Verdachtsmeldung ist nicht weit.

Besser ist eine sachliche Beschreibung. Für eine Creatorin: „Erstellung und Vertrieb digitaler Inhalte im Abonnement auf Online-Plattformen, darunter OnlyFans und MYM“, mit den Abrechnungen daneben. Für eine Agentur: „Kontoverwaltung, Marketing und Abonnentenbetreuung für Content-Creator auf Abonnementplattformen, vergütet auf Provisionsbasis“. Das ist zutreffend, vollständig und überprüfbar. Das Institut darf die Branche trotzdem ablehnen; eine Falschangabe kann es Ihnen aber nicht vorwerfen, und die Unterlagen bleiben bei anderen Instituten verwendbar.

Welche Widersprüche führen zur Ablehnung?

Sie wiederholen sich von Akte zu Akte.

  1. Tätigkeitsbeschreibung und Zahlungen passen nicht: eine „Beratungsgesellschaft“, die Zahlungen von Content-Plattformen erhält.
  2. Angekündigte und tatsächliche Beträge weichen ab, in die eine wie in die andere Richtung, ohne dass Sie die Bank informiert haben.
  3. Ein Dritter kassiert: Der Manager erhält die Auszahlungen der Creatorin, oder die Agentur die von zehn Creatorinnen.
  4. Der wirtschaftlich Berechtigte ist nicht auffindbar: ausländische Holding, Strohmann, ein Gesellschafter, der nirgends auftaucht.
  5. Verträge fehlen: Eine Provision ohne Managementvertrag ist ein Zahlungsstrom ohne Rechtsgrund.
  6. Unterlagen widersprechen sich: 30 % Provision im Vertrag, 50 % in den Rechnungen; fünf Creatorinnen in der Planung, zwanzig in den Gutschriften.
  7. Kryptowerte ohne Spur: Gutschriften von Kryptobörsen ohne Nachweis, woher die Mittel stammen.
  8. Späte oder unvollständige Antworten auf Rückfragen, die als fehlende Mitwirkung gewertet werden.

Keiner dieser Punkte hat mit der Branche zu tun. Alle lassen sich vor dem Antrag beheben, und keiner lässt sich nach einer Ablehnung reparieren, ohne die Ursache zu ändern.

Wie lange dauert die Prüfung, und hört sie je auf?

Eine gesetzliche Frist für die Eröffnung eines Geschäftskontos gibt es nicht. Die Dauer hängt von der Vollständigkeit ab: Vollständige Unterlagen werden oft zügig bearbeitet, unvollständige bleiben bei jeder Nachforderung liegen.

Mit der Eröffnung endet das KYC nicht. Die Bank muss die Geschäftsbeziehung laufend überwachen, und ihre interne Einstufung legt fest, wie oft sie Ihre Unterlagen überprüft, bei erhöhtem Risiko häufiger. Rechnen Sie mit Rückfragen bei jeder spürbaren Veränderung: dauerhaft höhere Beträge, neue Plattform, neuer Wohnsitz, neuer Gesellschafter, erste Zahlungen in Fremdwährung oder in Kryptowerten. Wer Plattformabrechnungen monatlich exportiert und Verträge aktuell hält, macht aus diesen Prüfungen eine Formalität. Kommt es trotzdem zur Sperre, hilft der Ratgeber Konto gekündigt wegen OnlyFans.

OFM Legal ist keine Rechtsanwaltskanzlei. Wir beraten zu Struktur, Compliance und Risiken, bereiten diese Unterlagen mit Agenturen und Creatorinnen vor und wissen, bei welcher Art von Institut ein Profil Chancen hat; rechtliche Vertretung übernehmen unsere Partneranwälte.

Häufige Fragen

Was verlangt die Bank bei der Kontoeröffnung für OnlyFans-Einnahmen?
Einen gültigen Ausweis, einen Nachweis der angemeldeten Tätigkeit (Gewerbeanmeldung oder Handelsregisterauszug), eine Beschreibung der Tätigkeit mit geschätzten monatlichen Zahlungen und bei Bedarf Belege zur Mittelherkunft, etwa exportierte Abrechnungen der Plattform. Bei einer Gesellschaft kommen die Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten hinzu.
Wie weise ich die Mittelherkunft gegenüber der Bank nach?
Mit einer lückenlosen Belegkette von der Einnahmequelle bis zum Konto. Für OnlyFans-Einnahmen: Abrechnung der Plattform, passende Gutschrift, angemeldete Tätigkeit, unter der die Einnahme versteuert wird. Für eine Agenturprovision: Vertrag, Rechnung, Zahlung der Creatorin. Für eine größere Einzahlung: Auszug des Herkunftskontos und der Beleg, wie das Geld dorthin kam.
Darf ich der Bank „digitales Marketing“ statt OnlyFans angeben?
Davon raten wir ab. Der Analyst sieht die Gutschriften von Fenix International oder einer anderen Plattform und vergleicht sie mit Ihrer Angabe. Eine Abweichung zwischen Angabe und Zahlungsströmen ist einer der häufigsten Gründe für eine Kündigung. Eine sachliche, ehrliche Beschreibung kommt besser durch als ein Euphemismus.
Muss die Bank eine Ablehnung begründen?
In der Regel nicht. Kann sie ihre Sorgfaltspflichten nicht erfüllen, verbietet ihr das Geldwäschegesetz die Geschäftsbeziehung. Hat sie eine Verdachtsmeldung an die Financial Intelligence Unit erstattet, darf sie Ihnen das nach § 47 GwG nicht mitteilen. Eine Ablehnung nach Nachforderung von Unterlagen deutet meist auf einen Widerspruch hin, den Sie vor dem nächsten Antrag beheben sollten.
Warum fragt die Bank nach Monaten erneut nach Unterlagen?
Weil sie die Geschäftsbeziehung laufend überwachen und ihre Informationen aktuell halten muss (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 GwG). Steigen die Beträge deutlich, kommt eine neue Plattform oder ein neuer Gesellschafter hinzu, fragt sie nach. Wer seine Unterlagen monatlich pflegt, beantwortet solche Anfragen in wenigen Stunden.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Olivier Maciejewski, Gründer von OFM Legal
Ihr AnsprechpartnerOlivier MaciejewskiGründer von OFM Legal · Ehemaliger internationaler Wirtschaftsanwalt (HEC Paris, Arendt, Clifford Chance) · Offizieller Partner von MYMSein Werdegang Aktualisiert am 8. September 2026

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung zu Ihrer konkreten Situation. OFM Legal ist keine Rechtsanwaltskanzlei: Rechtsdienstleistungen und Vertretung vor Gericht übernehmen unsere Partneranwälte.

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