
- Eine OnlyFans-Agentur braucht keine Erlaubnis und keine Ausbildung: Gesellschaft, Managementvertrag, Geschäftskonto und Umsatzsteuer genügen auf dem Papier.
- Üblich ist die UG (haftungsbeschränkt) ab 1 € Stammkapital oder die GmbH mit 25.000 €, von denen bei der Anmeldung mindestens die Hälfte eingezahlt sein muss.
- Eine Gesellschaft, die im Ausland registriert, aber aus Deutschland geleitet wird, ist in Deutschland unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig.
- Die Provision ist eine Dienstleistung, bei einer Creatorin in Deutschland mit 19 % Umsatzsteuer; die Kleinunternehmerregelung gilt bis 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € im laufenden Jahr.
- Engpass ist die Bank: Für Unternehmen gibt es kein Basiskonto, die KYC-Unterlagen entstehen vor dem Antrag.
Rechtslage und Zahlen geprüft am 2. September 2026. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Eine OFM-Agentur zu gründen erfordert weder eine Erlaubnis noch eine Ausbildung. Auf dem Papier genügen eine Gesellschaft, ein Managementvertrag, ein Geschäftskonto und eine Steuernummer. In der Praxis überleben die ersten zwei Jahre nur die OnlyFans-Agenturen, die sechs Baustellen in der richtigen Reihenfolge erledigt haben, bevor sie die erste Creatorin unter Vertrag nehmen. Dieser Leitfaden geht sie einzeln durch, mit geprüften Zahlen für 2026, und endet mit den Fehlern, die wir bei fast jeder Umstrukturierung sehen.
Schritt 1: Welche Rechtsform für eine OnlyFans-Agentur?
Als Einzelunternehmen starten viele Manager mit ein oder zwei Creatorinnen: Gewerbeanmeldung, einfache Buchhaltung, aber Haftung mit dem gesamten Privatvermögen. Eine Agentur kassiert Provisionen, bezahlt Chatter und Tools, unterschreibt mit mehreren Creatorinnen und will irgendwann einen Partner aufnehmen oder verkauft werden. Das spricht für eine Kapitalgesellschaft. Den Vergleich rechnen wir im Beitrag Einzelunternehmen oder GmbH durch.
| UG (haftungsbeschränkt) | GmbH | |
|---|---|---|
| Stammkapital | ab 1 €, vor Anmeldung voll eingezahlt | 25.000 €, davon mindestens 12.500 € vor Anmeldung eingezahlt |
| Pflichtrücklage | ein Viertel des Jahresüberschusses, bis das Stammkapital auf 25.000 € erhöht ist | keine |
| Gründung | Notar, Musterprotokoll möglich | Notar, Musterprotokoll möglich |
| Außenwirkung | bei Banken oft skeptisch betrachtet | seriöser Auftritt |
Beide Formen werden notariell gegründet (§ 2 GmbHG). Mit höchstens drei Gesellschaftern und einem Geschäftsführer geht das im vereinfachten Verfahren mit Musterprotokoll, auch per Videokommunikation mit dem Notar. Steuerlich sind UG und GmbH gleich: 15 % Körperschaftsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf, dazu Gewerbesteuer (Messzahl 3,5 % mal Hebesatz der Gemeinde). Bei einem Hebesatz von 400 % ergibt das zusammen rund 30 % (15,825 % plus 14 %); der Hebesatz hängt von der Gemeinde ab und beträgt mindestens 200 %. Ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer um einen Punkt pro Jahr bis auf 10 % ab 2032 (§ 23 KStG).
Zwei Punkte entscheiden in der Praxis. Erstens der Unternehmensgegenstand: Er beschreibt, was die Agentur wirklich tut (digitales Marketing, Betreuung von Konten und Communitys auf Content-Plattformen, Verwaltungsleistungen), ohne Tarnung und ohne Formulierungen, die eine Bank abschrecken. Zweitens der Ort der Geschäftsleitung: Eine Gesellschaft aus Dubai, Malta oder Zypern, die aus einer Wohnung in Berlin geführt wird, hat ihren Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung in Deutschland (§ 10 AO) und ist hier unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig (§ 1 KStG).
Schritt 2: Eintragung und Pflichten zum Start
Nach der Beurkundung meldet der Notar die Gesellschaft zum Handelsregister an. Die wirtschaftlich Berechtigten sind dem Transparenzregister mitzuteilen (§ 20 GwG); die frühere Mitteilungsfiktion über das Handelsregister gibt es nicht mehr. Dazu kommen die Gewerbeanmeldung bei der Gemeinde (§ 14 GewO) und der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER, mit dem Sie Steuernummer und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer erhalten.
Die Gebühren sind überschaubar. Das eigentliche Budget liegt woanders: ein Gesellschaftsvertrag, der zu einer Tätigkeit passt, die Banken genau ansehen, eine Gesellschaftervereinbarung, wenn Sie zu mehreren sind, eine Geschäftsadresse und ein Steuerberater, der OnlyFans und MYM kennt.
Schritt 3: der Managementvertrag, Fundament der Agentur
Rechtlich verkauft die Agentur einer selbständigen Creatorin eine Dienstleistung, oft verbunden mit einer Vollmacht. Der Managementvertrag trägt deshalb das ganze Geschäft. Er regelt Leistungen, Provision (in der Praxis häufig 20 bis 50 % der Nettoeinnahmen nach Plattformgebühr), Laufzeit und Ausstieg, Eigentum an Konto und Inhalten, das Recht der Creatorin, Inhalte abzulehnen, und den Umgang mit Daten. Verwendet die Agentur einen Standardvertrag, unterliegt er der AGB-Kontrolle (§§ 305 ff. BGB); knebelnde Konditionen können nach § 138 BGB sittenwidrig sein. Welche Klauseln die Creatorin prüft, steht im Beitrag zum Agenturvertrag.
Der Vertrag schützt auch strafrechtlich. Zuhälterei (§ 181a StGB) setzt Prostitution voraus; eine Agentur, die Online-Inhalte vermarktet, fällt grundsätzlich nicht darunter. Vertrag, Einwilligung und Abrechnungen belegen, dass sie eine Dienstleistung verkauft. Die Details stehen in Ist eine OFM-Agentur legal?.
Schritt 4: Chatter und Team
Eine wachsende Agentur braucht schnell Chatter, oft im Ausland, dazu jemanden für Reichweite oder Schnitt. Drei Modelle gibt es: Anstellung in Deutschland, selbständige Auftragnehmer in Deutschland, Dienstleister im Ausland. Die Wahl ist keine reine Kostenfrage. Nach § 7 SGB IV entscheidet die gelebte Praxis: feste Schichten, Pflichtskripte, Echtzeitkontrolle und Strafen sprechen für eine Beschäftigung. Dem Thema widmen wir einen eigenen Beitrag. Klären Sie es vor der ersten Zahlung, nicht nach der ersten Prüfung.
Schritt 5: die Bank, der eigentliche Engpass
Kein Schritt blockiert mehr Agenturen. Viele Banken lehnen die Kontoeröffnung ab, sobald der Unternehmensgegenstand Plattformen mit Erwachseneninhalten erwähnt, oder kündigen einige Monate später, wenn sie die Herkunft der Zahlungen verstehen. Ein laufendes Konto kann eine private Bank ordentlich kündigen, nach ihren AGB mit einer Frist von mindestens zwei Monaten (Nr. 19 Abs. 1 AGB-Banken; gegenüber Verbrauchern schreibt § 675h Abs. 2 BGB diese Frist auch gesetzlich vor). Ein Sicherheitsnetz gibt es nicht: Das Basiskonto nach § 31 ZKG steht nur Verbrauchern zu, nicht einer GmbH. Welche Institute akzeptieren, ändert sich laufend; die Liste führen wir für unsere Mandanten, statt sie zu veröffentlichen.
Die Unterlagen entstehen vor dem Antrag: Handelsregisterauszug, Gesellschaftsvertrag, Transparenzregisterauszug, unterschriebene Managementverträge, Zahlungsprognose, Mittelherkunft, ehrliche Beschreibung der Tätigkeit. Eine Organisationsregel verhindert die meisten Sperren: Die Plattform zahlt an die Creatorin, die Agentur stellt ihre Provision in Rechnung, und jeder Zahlungsfluss hat eine Rechnung. Eine Agentur, die Payouts ihrer Creatorinnen ohne schriftliche Vollmacht auf das eigene Konto leitet, ist für jede Compliance-Abteilung ein Geldwäsche-Verdachtsfall. Was bei einer Kündigung zu tun ist, beschreibt der Beitrag Bankkonto gekündigt.
Schritt 6: Umsatzsteuer, E-Rechnung und DAC7
Die Provision ist eine sonstige Leistung. Ist die Creatorin in Deutschland ansässig, wird sie mit 19 % Umsatzsteuer berechnet. Die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) gilt, solange der Umsatz im Vorjahr 25.000 € nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet; wird die 100.000-€-Grenze im Jahr überschritten, entfällt sie ab diesem Umsatz. Sitzt die Creatorin als Unternehmerin im Ausland, liegt der Leistungsort bei ihr (§ 3a Abs. 2 UStG): Die Rechnung enthält keine deutsche Umsatzsteuer, im EU-Ausland mit Hinweis auf die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers.
Seit dem 1. Januar 2025 ist zwischen inländischen Unternehmen grundsätzlich eine elektronische Rechnung im strukturierten Format auszustellen, ohne dass der Empfänger zustimmen muss (§ 14 Abs. 1 und 2 UStG). Jedes Unternehmen muss deshalb E-Rechnungen empfangen können. Beim Ausstellen gelten Übergangsfristen (§ 27 Abs. 38 UStG): Papier- und PDF-Rechnungen sind noch bis Ende 2026 zulässig, im Jahr 2027 nur noch für Unternehmen mit höchstens 800.000 € Vorjahresumsatz. Ab 2028 ist die strukturierte E-Rechnung zwischen inländischen Unternehmen Pflicht.
DAC7 verändert die Lage für die ganze Branche. Nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz melden Plattformbetreiber die Identität und die Vergütungen ihrer Anbieter bis zum 31. Januar des Folgejahres dem Bundeszentralamt für Steuern, das die Daten an die Finanzämter weitergibt. Die Agentur wird nicht selbst gemeldet, ihre Rechnungen müssen aber zu dem passen, was das Finanzamt über die Creatorin weiß. Mehr im Beitrag DAC7 bei OnlyFans und MYM.
Compliance: Datenschutz, Bildrechte, Volljährigkeit
Eine Agentur verarbeitet viele personenbezogene Daten: Identität der Creatorinnen, Chats mit Fans, Zahlungsdaten. Das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten (Art. 30 DSGVO) ist bei regelmäßiger Verarbeitung Pflicht, also für jede Agentur. Hinzu kommen die Nachweise, die Plattformen und Ermittler verlangen: Identität und Volljährigkeit jeder Creatorin, schriftliche Einwilligung in jede Bildnutzung (§ 22 KUG), Vertrag vor der ersten Veröffentlichung.
Die Fehler, die am meisten kosten
Bei den Agenturen, die wir umstrukturieren, kehren dieselben Ursachen wieder.
- Der mündliche Split. Provision per Nachricht vereinbart, nie unterschrieben: Beim ersten Streit ist nichts beweisbar.
- Das Privatkonto. Payouts und Chatter-Zahlungen über das Konto des Inhabers: erst Kontosperre, dann Fragen vom Finanzamt.
- Chatter ohne Rechnung. Überweisungen an Privatpersonen im Ausland, Krypto, Bargeld: weder der Bank noch der Rentenversicherung erklärbar.
- Die Auslandsgesellschaft, aus Deutschland geführt. In Deutschland steuerpflichtig, ohne belastbares Konto, oft ohne wirksame Verträge.
- Der getarnte Unternehmensgegenstand. Eine als Fotostudio oder Werbeagentur angemeldete Agentur verliert Bank und Versicherung an dem Tag, an dem die Abweichung auffällt.
- Weisungsgebundenheit schwarz auf weiß. Arbeitszeiten, Strafen, volle Exklusivität und Pflichtskripte in den Verträgen mit Chattern oder Creatorinnen: Der Vertrag wird zum Beweismittel gegen die Agentur.
Keiner dieser Fehler ist endgültig, aber jeder kostet mehr in der Korrektur als in der Vermeidung. Wer die sechs Schritte der Reihe nach erledigt, hat eine Agentur, die er einer Bank, einem Prüfer und eines Tages einem Käufer zeigen kann. Wie wir dabei beraten, steht auf unserer Seite für Agenturen und Manager; das Erstgespräch ist kostenlos.
Häufige Fragen
Braucht man eine Genehmigung, um eine OnlyFans-Agentur zu gründen?
UG oder GmbH für eine OFM-Agentur?
Was kostet die Gründung einer OFM-Agentur?
Kann ich meine OnlyFans-Agentur in Dubai gründen und in Deutschland wohnen?
Muss die Provision einer Agentur Umsatzsteuer enthalten?
Quellen und Rechtsgrundlagen
- GmbH-Gesetz, § 5a (Unternehmergesellschaft) und § 7 (Anmeldung, Mindesteinzahlung) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- GmbH-Gesetz, § 2 (notarielle Form, Musterprotokoll, Beurkundung per Videokommunikation) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Körperschaftsteuergesetz, § 23 (15 % bis 2027, danach schrittweise 10 % ab 2032) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Geldwäschegesetz, § 20 (Mitteilungen an das Transparenzregister) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Umsatzsteuergesetz, § 19 (Kleinunternehmer: 25.000 € / 100.000 €) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Umsatzsteuergesetz, § 27 Abs. 38 (Übergangsfristen E-Rechnung bis 2027; E-Rechnungspflicht nach § 14 Abs. 2) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Zahlungskontengesetz, § 31 (Basiskonto nur für Verbraucher) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Meldepflichten digitaler Plattformbetreiber (DPI/DAC7, PStTG) Bundeszentralamt für Steuern
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung zu Ihrer konkreten Situation. OFM Legal ist keine Rechtsanwaltskanzlei: Rechtsdienstleistungen und Vertretung vor Gericht übernehmen unsere Partneranwälte.








