
- Eine OFM-Agentur verkauft Creatorinnen eine Dienstleistung und verdient eine Provision auf die Nettoeinnahmen, meist zwischen 20 und 50 % nach Abzug der Plattformprovision.
- Ihre Kosten sind zuerst menschlich (Chatter, Reichweite, Inhalte), dann strukturell (Tools, Bank, Buchhaltung, Compliance): Die Marge hängt von Volumen und Disziplin ab, nicht vom Provisionssatz.
- Der Markt ist real: 5,80 Mrd. US-Dollar zahlte OnlyFans im Geschäftsjahr 2024 an Creator aus, MYM nach eigenen Angaben 69 Mio. € im Jahr 2023. Die Verteilung ist allerdings sehr ungleich.
- Kurse zum „OFM Business“ versprechen schnelles Geld; keine öffentliche Zahl belegt das, und ohne Zulassung nach dem Fernunterrichtsschutzgesetz kann ein Online-Coaching-Vertrag nichtig sein (BGH, III ZR 109/24).
- Drei Risiken beenden eine Agentur sicherer als schlechtes Marketing: die Bank, die Scheinselbständigkeit und das Strafrecht.
Rechtslage und Zahlen geprüft am 3. September 2026. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Das OFM Business, also das Geschäftsmodell einer OnlyFans-Agentur, ist schnell erklärt: Die Agentur übernimmt für Creatorinnen Marketing, Chats und Verwaltung und erhält dafür eine Provision von meist 20 bis 50 % ihrer Nettoeinnahmen. Hinter dem Schlagwort stehen allerdings zwei Welten, die wenig gemeinsam haben: strukturierte Agenturen, die Dutzende Creatorinnen mit Team, Verträgen und Steuerberater betreuen, und Kurse auf TikTok, die 10.000 € im Monat nach drei Wochen versprechen. Dieser Beitrag beschreibt das erste Modell mit Zahlen und erklärt, warum das zweite selten gut ausgeht.
Woher das Geld kommt: die Provision auf die Nettoeinnahmen
Eine OFM-Agentur verkauft keine Inhalte. Sie verkauft Creatorinnen eine Dienstleistung: Abonnenten über soziale Netzwerke gewinnen, mit Fans chatten, planen, verwalten. Dafür behält sie einen vertraglich festgelegten Anteil an den Einnahmen der Creatorin ein.
Die Rechnung beginnt immer beim Nettobetrag nach Plattform. Von 10.000 US-Dollar, die Fans zahlen, behält OnlyFans 20 % und zahlt der Creatorin 8.000 US-Dollar aus. Auf diese 8.000 US-Dollar bezieht sich die Provision der Agentur, üblicherweise zwischen 20 und 50 %, je nach Leistungsumfang. Bei 30 % stellt die Agentur 2.400 US-Dollar in Rechnung, der Creatorin bleiben 5.600 US-Dollar. Ein höherer Satz bedeutet keine profitablere Agentur: Er bedeutet eine umfassendere Leistung oder eine Creatorin, die schlecht verhandelt hat.
Es gibt zwei Zahlungswege. Entweder zahlt die Plattform direkt an die Creatorin, die der Agentur ihre Provision auf Rechnung bezahlt. Oder die Agentur vereinnahmt alles und leitet den Anteil der Creatorin weiter. Der zweite Weg ist bequemer und deutlich riskanter: für die Bank, die Geldflüsse sieht, die sie nicht versteht; für das Finanzamt, das die Angaben der Creatorinnen mit den Rechnungen der Agentur abgleicht; und für Ermittlungsbehörden, für die die Kontrolle über fremde Einnahmen ein Anhaltspunkt für Ausbeutung sein kann. Agenturen, die bleiben, stellen Rechnungen.
Wohin das Geld fließt: die Kostenstruktur
Die Marge einer Agentur entscheidet sich an fünf Posten.
- Chatter. Sie verkaufen PPV-Inhalte und binden Fans. Bezahlt werden sie pro Stunde, pauschal oder mit Umsatzbeteiligung, oft aus dem Ausland. Das ist der größte Kostenblock und das erste rechtliche Risiko: Ihr Status entscheidet über das Sozialversicherungsrisiko der Agentur.
- Reichweite. Werbekonten in sozialen Netzwerken, Teaser-Inhalte, manchmal bezahlte Anzeigen. Ohne Reichweite stagniert eine Creatorin schnell, egal wie gut gechattet wird.
- Tools. Spezialisierte CRM-Systeme, Nachrichtenverwaltung, Statistiken, Planung. Einige Hundert Euro im Monat, ab zwei oder drei Creatorinnen unverzichtbar.
- Compliance und Verwaltung. Verträge, Einwilligungen, Buchhaltung, Steuerberater, Umsatzsteuer, Bank. Diesen Posten streichen Einsteiger zuerst, und sein Fehlen beendet sie.
- Struktur. Gesellschaft, Geschäftskonto, Versicherungen, eventuell eine Holding. In absoluten Zahlen gering, für alles Weitere entscheidend.
Eine Beispielrechnung, ausdrücklich als Annahme
Nehmen wir eine Agentur, die zehn Creatorinnen mit je 5.000 € Nettoeinnahmen im Monat betreut, bei einer durchschnittlichen Provision von 30 %. Das ist eine Arbeitshypothese, keine Statistik.
| Posten | Betrag pro Monat | Erläuterung |
|---|---|---|
| Nettoeinnahmen der betreuten Creatorinnen | 50.000 € | 10 Creatorinnen zu je 5.000 € nach Plattform |
| Umsatz der Agentur (30 %) | 15.000 € | Den Creatorinnen in Rechnung gestellte Provision |
| Chatter | 5.000 bis 7.000 € | 4 bis 6 Chatter, je nach Land und Vergütungsmodell |
| Reichweite und Inhalte | 1.500 bis 2.500 € | Werbekonten, Teaser, Anzeigen |
| Tools und CRM | 300 bis 600 € | Je nach Zahl der betreuten Konten |
| Buchhaltung, Verträge, Compliance | 800 bis 1.500 € | Steuerberater, Vertragspflege, Einwilligungen |
| Struktur, Bank, Versicherungen | 300 bis 600 € | Gesellschaft, Geschäftskonto, Bankgebühren |
| Ergebnis vor Steuern und Vergütung der Inhaber | 2.800 bis 7.100 € | Also 19 bis 47 % des Umsatzes |
Drei Lehren. Die Rentabilität hängt vom Volumen ab: Mit derselben Kostenstruktur und zwanzig Creatorinnen verdoppelt sich das Ergebnis beinahe. Die Chatter entscheiden alles, in der Rechnung wie im Risiko. Und der Posten „Compliance“, der bei rund 1.000 € im Monat überflüssig wirkt, kostet weniger als eine einzige Nachforderung von Sozialversicherungsbeiträgen oder ein einziges im falschen Moment gekündigtes Geschäftskonto. Wie Sie diese Struktur von Anfang an aufsetzen, zeigt unser Beitrag OFM-Agentur gründen.
Die tatsächliche Größe des Marktes
Der Jahresabschluss von Fenix International, der Betreibergesellschaft von OnlyFans, gibt die Größenordnung für das am 30. November 2024 endende Geschäftsjahr vor: 7,22 Mrd. US-Dollar an Zahlungen der Fans, 5,80 Mrd. an Creator ausgezahlt, 4,63 Mio. Creator-Konten und 377,5 Mio. Fan-Konten weltweit. Die französische Plattform MYM meldete im März 2024 15 Mio. aktive Nutzer, 500.000 Creator und 69 Mio. € an Creator ausgezahlte Beträge für das Jahr 2023.
Was diese Zahlen nicht zeigen, ist die Verteilung. Keine amtliche Quelle veröffentlicht die Einnahmen pro Creator in Deutschland, und die kursierenden Prozentsätze („1 % der Creator verdienen fast alles“) beruhen auf keinen überprüfbaren Daten. Was wir in der Praxis sehen: Eine Agentur lebt von wenigen Creatorinnen, die gut verdienen, und legt bei denen drauf, die gerade anfangen. Auswahl und Aufbau zählen ebenso viel wie das Chatting.
Die Kurse zum „OFM Business“
Den Erfolg des Schlagworts verdankt die Branche vor allem Kursen und Coachings, die im Netz verkauft werden, oft von Managern, die selbst gerade erst anfangen. Manche vermitteln brauchbare Methoden für Reichweite und Chatting. Kaum einer behandelt ernsthaft die drei Themen, die Agenturen beenden: Bank, Sozialversicherungsrecht und Strafrecht. Drei Signale sollten Sie abschrecken: ein beziffertes Einkommensversprechen, ein Modell, das auf aufgezwungenen Inhalten oder Treffen beruht, und das völlige Fehlen von Verträgen im Lehrstoff.
In Deutschland gibt es für Käufer zudem ein Druckmittel, das viele Anbieter unterschätzen. Der Bundesgerichtshof hat am 12. Juni 2025 (III ZR 109/24) entschieden, dass ein Online-Mentoring unter das Fernunterrichtsschutzgesetz fällt, wenn Wissen gegen Entgelt überwiegend räumlich getrennt vermittelt und der Lernerfolg überwacht wird, auch gegenüber Unternehmern. Ohne Zulassung ist der Vertrag nichtig, und bereits gezahlte Beträge können grundsätzlich zurückgefordert werden. Verbrauchern steht bei Online-Käufen außerdem in der Regel ein Widerrufsrecht von 14 Tagen zu, das bei digitalen Inhalten allerdings vorzeitig erlöschen kann, sobald die Nutzung mit ihrer Zustimmung begonnen hat.
Die drei Risiken, die eine Agentur beenden
Die Bank. Ein gekündigtes Geschäftskonto, Auszahlungen, die nicht mehr ankommen, Creatorinnen, die gehen, weil sie nicht mehr bezahlt werden. Das ist die häufigste Ursache für ein Aus, die wir sehen, und die am leichtesten vermeidbare. Banken müssen nach dem Geldwäschegesetz die Herkunft der Mittel verstehen und bei Verdacht eine Meldung erstatten (§ 43 GwG), ohne den Kunden darüber zu informieren; ein Girokonto können sie, wenn vereinbart, mit einer Frist von mindestens zwei Monaten kündigen (§ 675h BGB). Die Antwort: Gesellschaft oder angemeldetes Gewerbe, Geschäftskonto, vorbereitete Unterlagen zur Mittelherkunft, ein Institut, das die Branche akzeptiert. Mehr dazu im Beitrag Bankkonto gekündigt wegen OnlyFans.
Die Scheinselbständigkeit. Chatter oder Creatorinnen, die auf Provisionsbasis arbeiten, aber feste Zeiten, Skripte und Sanktionen haben, sehen aus wie Beschäftigte. Nach § 7 Abs. 1 SGB IV zählen Weisungsgebundenheit und Eingliederung, nicht die Bezeichnung des Vertrags; die Nachforderung der Beiträge reicht Jahre zurück. Klarheit bringt das Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung Bund (§ 7a SGB IV). Der Status der Chatter ist der erste Punkt, den Sie regeln sollten.
Das Strafrecht. Zuhälterei (§ 181a StGB) und die Ausbeutung von Prostituierten (§ 180a StGB) setzen Prostitution voraus, und das Prostituiertenschutzgesetz knüpft sexuelle Dienstleistungen an eine unmittelbar anwesende Person. Diese Definition gilt unmittelbar nur für das ProstSchG, und eine höchstrichterliche Entscheidung zu reinem Online-Content ist uns nicht bekannt; nach unserer Einschätzung fällt eine Agentur, die Online-Inhalte betreut, nicht schon wegen ihres Modells darunter. Wer dagegen Inhalte aufzwingt, Treffen organisiert, Druck ausübt oder die Einnahmen der Creatorin kontrolliert, riskiert eine Strafbarkeit wegen Zuhälterei, Nötigung oder Menschenhandel (§§ 232 ff. StGB). Die Grenzen beschreibt unser Beitrag Ist eine OFM-Agentur legal?.
Was eine Agentur ausmacht, die bleibt
Ein schriftlicher Vertrag mit jeder Creatorin, der festlegt, wem das Konto gehört und wie man sich trennt. Chatter mit klarem Status und schriftlichen Grenzen. Eine Gesellschaft oder ein angemeldetes Gewerbe, ein Geschäftskonto und ein Steuerberater ab dem ersten Monat. Geldflüsse, die sich jedem Bankberater auf einer Seite erklären lassen. Und Creatorinnen, die frei über ihre Inhalte entscheiden, weil das die Voraussetzung für die Legalität des Geschäfts ist und weil sie es sind, die bleiben.
Nichts davon lernt man in einem Kurs für 2.000 €. Alles davon lässt sich in wenigen Wochen mit den richtigen Partnern aufsetzen, und genau das trennt ein „OFM Business“ von einem Unternehmen. Wie wir Agenturen dabei begleiten, lesen Sie auf unserer Seite für Agenturen und Manager; einen Überblick über die Branche gibt unser Beitrag OFM: die Definition.
Häufige Fragen
Wie viel verdient eine OFM-Agentur?
Wie viel Kapital braucht man für eine OnlyFans-Agentur?
Lohnen sich OFM-Business-Kurse?
Was unterscheidet eine OFM-Agentur, die bleibt?
Quellen und Rechtsgrundlagen
- OnlyFans gross revenue rises 9% to $7.2 billion in 2024 (Jahresabschluss Fenix International Ltd, Geschäftsjahr bis 30. November 2024) Variety / Yahoo Finance, 22. August 2025
- MYM : après une nouvelle année d'hypercroissance, MYM accélère son développement MYM, 15. März 2024
- OnlyFans Terms of Service (20 % Provision) Fenix International Limited, abgerufen am 11. September 2026
- § 181a StGB (Zuhälterei) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- § 7a SGB IV (Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung Bund) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- § 675h BGB (Kündigung des Zahlungsdiensterahmenvertrags, Frist von mindestens zwei Monaten für die Bank) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- § 43 GwG (Meldepflicht der Verpflichteten bei Verdacht) Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- BGH, Urteil vom 12. Juni 2025, III ZR 109/24 (Online-Coaching und Fernunterrichtsschutzgesetz) dejure.org
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung zu Ihrer konkreten Situation. OFM Legal ist keine Rechtsanwaltskanzlei: Rechtsdienstleistungen und Vertretung vor Gericht übernehmen unsere Partneranwälte.








